Besuch im teuersten Bauwerk Deutschlands.

9. Mai 2014 | Von | Kategorie: Bonn, Deutschland

Der ehemalige Regierungsbunker im Ahrtal.

Der Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland, so der offizielle Name des teuersten und geheimsten Bauwerks der Bundesrepublik Deutschland, wurde in der Hochzeit des Kalten Krieges in einem alten Eisenbahntunnel unter den Weinbergen von Bad Neuenahr-Ahrweiler gebaut. Etwa 5 Milliarden D-Mark soll das atombombensichere Bauwerk mit dem Decknamen Rosengarten gekostet haben.

Im Kriegsfall hätten 3000 Regierungsmitglieder aus Bonn in dem insgesamt 17 Kilometer langen Tunnelsystem einen Atomschlag und 30 Tage überleben können. Und danach? Das ist uninteressant, schließlich diente das gesamte Bauwerk hauptsächlich der Abschreckung. Der Feind sollte wissen, dass man im Fall eines atomaren Angriffs in der Lage wäre sich dorthin zurückzuziehen und den Gegenschlag einzuleiten.

1997 wurde der Bunker stillgelegt und in den Jahren bis 2005 ausgeräumt und wieder rückgebaut. Heute sind 99% des ehemaligen Regierungsbunkers wieder ein kahler Stollen. Lediglich ein 203m langes Teilstück wurde erhalten mit originalen Einrichtungsgegenständen versehen und wird seit 2008 vom Heimatverein Alt-Ahrweiler als „Dokumentationsstätte Regierungsbunker“ betrieben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Regierungsbunker
Eingang zum ehemaliegen Regierungsbunker der Bundesrepublik Deutschland. Heute Dokumentationsstätte Regierungsbunker.

Als ich den Gang der Bunkeranlage betrete, befällt mich ein wenig ein beklemmendes Gefühl. Es riecht etwas muffig und es ist kühl im Inneren ( ca. 12°C), so richtig wohl fühle ich mich dort unten nicht. Dennoch lausche ich interessiert den spannenden Ausführungen des Gästeführers.

Jeder Meter hier unten soll in etwa so viel gekostet haben wie ein Einfamilienhaus und so manches Einfamilienhaus hier in der Gegend soll mit Bunkerbeton entstanden sein. Ein Bierkasten am Straßenrand war das Zeichen für die Betonfahrer, dass man Beton benötigte.

25 Tonnen wiegen die Eingangstore, die im Ernstfall innerhalb von Sekunden hätten geschlossen werden können. Der Zugang zum eigentlichen Bunkereingang ist verwinkelt, dies sollte die Druckwelle bei einem Atomangriff abbremsen.
Dann erreichen wir die Dekontaminationsräume, Duschen deren Duschwasser verschiedene Säuren zugesetzt wurden. Witzig ein kleines Fenster im Duschraum mit handbetriebenem Scheibenwischer. Dahinter alles was man zum Überleben in einer kleinen unterirdischen Stadt braucht: Trinkwasserbrunnen, Belüftungsanlagen, Stromaggregate, mehrere Kantinen, hunderte von Schlafräumen und Büros, Technik- und Kommunikationsräume, Feuerwehrstation, Krankenstation, Zahnarztpraxis, gigantische Lager, sogar einen Friseursalon, eine Kirche und ein Fernsehstudio gab es.
Obwohl die Besichtigung und die Führung spannend und interessant waren, war ich irgendwie froh, als ich nach etwa 90 Minuten wieder an der frischen Luft war.
Mehr Infos zum ehemaligen Regierungsbunker findest du auf der Homepage der Dokumentationsstätte Regierungsbunker.

Eingang Regierungsbunker
Das Eingangssperrbauwerk im ehemaligen Regierungsbunker.

Regierungsbunker Ahrweiler
Eines der 25 Tonnen schweren Tore im Eingangssperrbauwerk.

Regierungsbunker Eingangssperrbauwerk
Umgehung der Eingangstore im Eingangssperrbauwerk.

Regierungsbunker
Beeindruckt und mit einem etwas flauen Gefühl in der Magengegend gehen wir durch das unterirdische Bauwerk.

Regierungsbunker
Der Dekontaminationsraum und das besagte Fenster mit Scheibenwischer.

Regierungsbunker
Eine der fünf Kommandozentralen im ehemaligen Regierungsbunker.

Kommunikationszentrale
So sah damals eine Kommunikationszentrale aus.

Regierungsbunker
Eines der fast 1000 Büros im ehemaligen Regierungsbunker.

Regierungsbunker
Einer der fast 1000 Schlafräume im ehemaligen Regierungsbunker.

Waschraum Regierungsbunker
Ein Waschraum im ehemaligen Regierungsbunker.

Regierungsbunker
Die Zahnarztpraxis im ehemaligen Regierungsbunker.

Der Sanitätsraum im Regierungsbunker
Sanitätsraum im ehemaligen Regierungsbunker.

Regierungsbunker
Technikraum im ehemaligen Regierungsbunker.

Regierungsbunker
Feuerwehrstation im ehemaligen Regierungsbunker.

WDR Fernsehstudio im Regierungsbunker
WDR Fernsehstudio im ehemaligen Regierungsbunker.

Regierungsbunker
Der entkernte Tunnel. Hier schlossen sich die restlichen 99% des ehemaligen Regierungsbunkers an.

 
Wir haben die Dokumentationsstätte Regierungsbunker auf Einladung der Tourismus & Congress GmbH Region Bonn / Rhein – Sieg / Ahrweiler besucht. Vielen Dank dafür.
 
 

Jo Igele Reiseblog – Reiseberichte und Reisetipps

 

Über den Author

Sonja Weisner Sonja Weisner - Reisebloggerin.  
 
Reisen ist meine Leidenschaft. Von individual bis pauschal und von Abenteur bis teuer bin ich weltweit unterwegs. Seit Udos Tod bereise ich die Welt als Witwe, Single, Oma, Mama, Schwester, Freundin, ... und entdecke meine Reiseleidenschaft neu. "Denn Wege entstehen dadurch, dass man sie geht" (Kafka)

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10 Kommentare auf "Besuch im teuersten Bauwerk Deutschlands."

  1. Toller Bericht, gespenstische Location. Wer entscheidet, wer da im Ernstfall rein darf? Gibt es eine Warteliste?

  2. Den Artikel habt Ihr ja gerade noch rechtzeitig veröffentlicht 🙂
    Was das teuerste Bauwerk Deutschlands betrifft wird der Bunker sicher bald vom Berliner Flughafen übertroffen – und der ist noch nicht mal atombombensicher!

  3. Chris sagt:

    Ich wusste vor dem Artikel auch nie von diesem Bunker! Super cool! Danke. Die Fotos sind auch super Klasse.

  4. immer wieder komisch zu sehen wofür Steuergelder doch schon immer ausgegeben wurden. aber s o ist es nunmal. Schöner Bericht

  5. Motorrad_Fan sagt:

    Herrlich! Da wollte ich schon immer hin! Leider hält meine Familie nicht viel davon 🙁 Danke für die schönen Fotos und den Reisebericht.

  6. […] Jo Igele: Rhein in Flammen 2014; 7 Highlights für Deinen Wochenendtrip nach Bonn Besuch im teuersten Bauwerk Deutschlands […]

  7. vielweib sagt:

    Toll geschrieben! Ich liebe ja solche vergessenen Orte der Vergangenheit. Danke für euren Einblick. Liebe Grüße, Tanja

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