Reisetagebuch Marokko / Teil 3

3. Mai 2000 | Von | Kategorie: Marokko, Marokko 2000

Marokko 2000 – Mit Mountainbikes auf den Spuren des Marathon des Sables / Teil 3

Samstag, 3.6.2000

In der Nacht hat sich die heiße Luft deutlich abgekühlt, wir haben gut geschlafen und werden von der Sonne, die sich langsam über die Sanddüne schieb, geweckt. Unsere Begleiter haben bereits Tee gekocht und im Sand frisches Fladenbrot gebacken.

Nach einem ausgiebigen Frühstück beladen wir gemeinsam den LKW und machen uns wieder auf den Weg. Mir hat die gestrige Anstrengung wieder voll auf den Magen geschlagen und ich beschließe den heutigen Tag im Begleitfahrzeug mitzufahren. Mohamed, einer unserer Begleiter nimmt mein Bike und fährt mit der Radgruppe vorraus.
Die heutige Strecke ist deutlich schwerer zu fahren. Der Sand ist weicher und die Wegführung nicht immer ganz klar. Zum Glück haben wir eine ortskundige Begleitmannschaft dabei. Auch der LKW hat zunehmens Probleme, immer wieder fährt er sich im lockeren Sand fest und muß ausgegraben und mittels Sandblechen wieder in Fahrt gebracht werden.

Gegen Mittag erreichen wir ein romantisches Plätzchen mit einigen schattenspendenden Büschen. Hier werden wir eine ausgiebige Pause einlegen. Es ist sehr heiß und wir verbrauchen eine Unmenge an Trinkwasser. Während der Koch und ein Helfer das Mittagessen zubereiten führt uns Mohamed in einem 15-minütigen Fußmarsch zu einem Brunnen mitten in der Wüste. Weit und breit nur Sand und mittendrin dieser Brunnen. Jetzt ist die Eimerdusche angesagt, komplett in Klamotten, die beim Rückmarsch innerhalb von Minuten wieder trocken sind.

Bei der Weiterfahrt am Nachmittag geht die Sandwüste langsam in eine Steinwüste über. Wir befinden uns in einer weiten Tiefebene und soweit das Auge reicht nichts als dunkle kleine flache Steine. Das Biken wird auf dieser Unterlage deutlich kraftsparender.

Gegen Abend ziehen Wolken auf und es beginnt tatsächlich so etwas wie ein leichter Nieselregen, der allerdings sofort verdampft wenn er unsere Haut erreicht und nur wenig Abkühlung bringt. Seit 4 Jahren soll es in dieser Gegend nicht mehr geregnet haben. Bachir möchte die Nacht nicht in diesem Talkessel verbringen. Er meint, falls es in der Nacht zum Regnen kommen sollte wäre das gesamte Tal innerhalb kürzester Zeit ein einziger See. Also fahren wir bis spät in die Nacht den Rücklichtern des LKW hinterher, bis wir eine Anhöhe erreichen auf der wir das Nachtlager aufschlagen. Die Bewölkung hat sich mittlerweile wieder verzogen, sternenklarer Himmel und von Regen keine Spur.

Sonntag, 4.6.2000

Ich habe die vergangene Nacht gut geschlafen und es geht mir deutlich besser. Dennoch beginnt der heutige Tag zunächst mit einem gewaltigen Schreck. Als Gisela aus ihrem Schlafsack kriecht und ihre neben dem Schlafsack liegenden Kleidungsstücke sortiert, kommt eine etwa 1m lange fast armdicke Hornviper zum Vorschein. Sie muß es sich während der Nacht dort bequem gemacht haben, und das obwohl wir unseren Schlafplatz am Vorabend großflächig nach ungebetenen Gästen abgesucht hatten. Nicht auszudenken wenn ……
Na ja, Glück gehabt, wir sind nochmal mit dem Schrecken davongekommen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück – Hauptgesprächsthema unser Schlafgast – machen wir uns wieder auf den Weg, zunächst weglos aber gut fahrbar durch die Steinwüste. Je näher wir unserem heutigen Tagesziel Foum Zguid kommen desto besser wird die Fahrtrasse und mündet in einen ausgefahrenen Naturpfad, der bis zum Ortseingang führt.
An einem ausgetrockeneten Bachlauf unter Palmen feiern wir bei einem pompösen Essen Abschied von unseren marokkanischen Freunden und fahren, da es schon spät geworden ist, auf der Ladefläche des LKW mit bis Tazenakht, wo wir übernachten werden.

Marokko

05. bis 09.06.2000

Marokko

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Diese Reise wurde gesponsored von Zweirad Schmid Friedrichshafen Schwalbe Reifen und Koga Miyata. Vielen Dank
 
 

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Über den Author

Udo Udo Weisner (†19.02.2015) - Reiseblogger / Travelblogger
Zusammen mit meiner Frau Sonja bereise ich die Welt. Wir kennen und lieben die ganze Palette des Reisens von Pauschal bis individual und von Abenteuer bis teuer. Auf unserem Reiseblog / Travel Blog (http://www.jo-igele.de) veröffentlichen wir unser persönliches Reisetagebuch und lassen unsere Leser an unseren Reisen teilhaben.

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4 Kommentare auf "Reisetagebuch Marokko / Teil 3"

  1. Chris sagt:

    Gerade hierüber gestolpert.
    Echt beeindruckend, besonders die persönlichen Schilderungen und Erfahrungen. Zudem nimmt ja der Reisebericht langsam nostalgischen Wert an. 🙂
    Ich hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass man in Marokko überhaupt (vernünftig) Radfahren kann – aber das klingt nach einem richtig tollen Erlebnis mit hohem Erinnerungsfaktor.

    • Udo sagt:

      Hallo Chris,

      schön dass dir der Bericht gefällt. Es ist genau so wie du vermutest. Es war ein Erlebnis, das uns geprägt hat und von dem wir noch unseren Enkeln erzählen.
      Es gibt noch viel mehr tolle lohnende Radrouten in Marocco. Und man glaubt es kaum, im Hohen Atlas mit dem 4000er Djebel Toubkal kann man auch super Skitouren unternehmen.

      Grüße vom Bodensee
      Udo

      • Chris sagt:

        Stimmt! Ich glaube Skifahren in Marokko setze ich mir gleich mal auf die langfristige Bucket List. So ein paar wintersportliche Exoten möchte ich ohnehin mal besuchen …

        Fahrradfahren In Marokko muss nicht sein … deine Erzählungen reichen mir, die 45 Grad muss ich nicht haben. Meine karibischen Fahrradtouren bei „zarten“ 30 Grad und Sonnenschein sind schweißtreibend genug. 🙂

  2. […]   Hier geht es weiter mit Samstag, 03.06.2000   […]

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